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24. Juli 2017 1 24 /07 /Juli /2017 13:45
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Der Kuss

von

Wolfgang Borchert

Es regnet - doch sie merkt es kaum,

weil noch ihr Herz vor Glück erzittert:

Im Kuss versank die Welt im Traum.

Ihr Kleid ist nass und ganz zerknittert

und so verächtlich hochgeschoben,

als wären ihre Knie für alle da.

Ein Regentropfen, der zu Nichts zerstoben,

der hat gesehn, was niemand sonst noch sah.

So tief hat sie noch nie gefühlt -

so sinnlos selig müssen Tiere sein!

Ihr Haar ist wie zu einem Heiligenschein zerwühlt - Laternen spinnen sich drin ein.

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Liebesgedicht

von

Wolfgang Borchert

 

Du warst die Blume Makellos

und ich war wild und wach.

Als deine Iris überfloss,

da gabst du gebend nach.

Ich war die Blume Schmerzenlos

in deinem lichten Duft.

Wir schenkten uns aus Grenzenlos,

aus Erde, Leid und Gruft.

Da wuchs die Blume Morgenrot

an unserer Nächte Saum.

Wir litten eine süße Not

um einen süßen Traum.

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Abendlied

von

Wolfgang Borchert

 

Warum, ach sag, warum

geht nun die Sonne fort?

Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,

das kommt wohl von der dunklen Nacht,

da geht die Sonne fort.

Warum, ach sag, warum

wird unsere Stadt so still?

Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,

das kommt wohl von der dunklen Nacht,

weil sie dann schlafen will.

Warum, ach sag, warum

brennt die Laterne so?

Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,

das kommt wohl von der dunklen Nacht,

da brennt sie lichterloh!

 

Warum, ach sag, warum

gehn manche Hand in Hand?

Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,

das kommt wohl von der dunklen Nacht,

da geht man Hand in Hand.

Warum, ach sag, warum

ist unser Herz so klein?

Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,

das kommt wohl von der dunklen Nacht,

da sind wir ganz allein.

Wolfgang Borchert

 

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Ich bin ein Reiter,

stürmend durch die Zeit!

Durch die Wolken führt mein Ritt -

Mein Pferd greift aus!

Voran! Voran!

 

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Ich möchte Leuchtturm sein

in Nacht und Wind -

für Dorsch und Stint -

für jedes Boot -

und bin doch selbst

ein Schiff in Not!

 

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Aber diesen tollkühnen Mut zu einem Buch müssen wir haben! Wir wollen unsere Not notieren, mit zitternden Händen vielleicht, wir wollen sie in Stein, Tinte oder Noten vor uns hinstellen, in unerhörten Farben, in einmaliger Perspektive addiert, zusammengezählt und angehäuft, und das gibt dann ein Buch von zweihundert Seiten.

Wolfgang Borchert

 

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist Abgrund. Wir sind eine Generation ohne Abschied, die sich davonstiehlt wie Diebe, weil sie Angst hat vor dem Schrei ihres Herzens.

Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

Doch, doch: Wir wollen in dieser wahnwitzigen Welt noch wieder, immer wieder lieben!

Wolfgang Borchert

 

Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert

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Published by Susanne Ulrike Maria Albrecht

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