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11. April 2014 5 11 /04 /April /2014 08:38

Träume einen kleinen Traum

 

 

Singende Fontäne

 

von

 

Stefan Zweig

 

 

 

BLAUER Blick des Mondenscheines

 

Kühlte meines Zimmers Wand;

 

Da hört ich die Stimme eines,

 

Der im Dunkel unten stand.

 

 

Und wie ich die Scheibe staunend

 

Zu dem Garten niederbog,

 

War es Singen, süß und raunend,

 

Das zu mir ans Fenster flog.

 

 

Keinen sah ich. Nur im Dunkeln

 

Blinkte das erhellte Spiel

 

Der Fontäne, die mit Funkeln

 

In die Stille niederfiel.

 

 

Unruhvoll und doch beständig

 

Schien das silberne Getön

 

Wie ein lautes Herz lebendig

 

Durch die Brust der Nacht zu gehn.

 

 

Und ich fragte: "Warum rauschst du

 

Heute mir zum erstenmal?" -

 

Und ich horchte: "Warum lauschst du

 

Heute mir zum erstenmal?

 

 

In das heiße Gold der Tage,

 

Stumm im Steigen, Lied im Fall,

 

Durch den Samt der Nächte trage

 

Stet ich den erregten Schwall

 

 

Meiner eignen Überfülle,

 

Und du, der mir nahe ruhst,

 

Wirst erst durch den Gruß der Stille

 

Unsrer Brüderschaft bewußt?

 

 

Hast du nie denn an der Schwelle

 

Des Erwachens wirr gefühlt,

 

Daß dir eine lautre Welle

 

Nächtens durch dein Herz gespült,

 

 

 

Träume einen kleinen Traum

http://delphinpaar.buecherbrett.org/2014/04/10/stefan-zweig/  

 

 

 

Daß mein Singen dich durchwebte

 

Und im Schlafe aufwärts schwoll,

 

Bis es Blut im Blute lebte

 

Und an deine Lippen quoll,

 

 

Bis als Lied der eingeengte

 

Schauer einer fremden Lust,

 

Die ein Traum in dich versenkte,

 

Wild aufbrach aus deiner Brust?

 

 

So in dein Geschick verflechte

 

Ich mir meines Lebens Spur,

 

Und bin doch im Kreis der Mächte

 

Eine leise Stimme nur.

 

 

Eines von den stummen Dingen,

 

Die dein Wesen zauberhaft

 

Und geheimnisvoll durchdringen

 

Und von deren steter Kraft

 

 

Nur verloren-leise Kunde

 

Manchmal deine Seele faßt,

 

Wenn du dich hinab zum Grunde

 

Eines Traums getastet hast." -

 

 

Immer ferner schien der Schimmer,

 

Immer dunkler Wort und Sinn,

 

Doch mein Herz lauschte noch immer

 

Nach der weißen Stimme hin,

 

 

Die vom Garten, bald wie Trauer,

 

Bald wie Lächeln, wundersam

 

Über Bäume, Busch und Mauer

 

Schwebend an mein Lager kam,

 

 

Und an meine Brust sich schmiegend

 

Ihrer Worte Wiege schwang,

 

Bis ich schon in Schlummer liegend

 

Glanz nur fühlte und Gesang.

 

 

 

Stefan Zweig

 

28. November 1881 - 23. Februar 1942

 

 

 

http://susanne-ulrike-maria-albrecht.over-blog.de/article-lyrikpreis-fur-susanne-ulrike-maria-albrecht-82267225.html  

 

http://susanne-ulrike-maria-albrecht.over-blog.de/pages/Lyrikpreis_fur_Susanne_Ulrike_Maria_Albrecht-6274245.html

 

 

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Published by Susanne Ulrike Maria Albrecht
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